Eduard Beurmann: Köche werden in Frankfurt besser hononiert als Schriftsteller

So umfangreich jene Gasthöfe sind, so haben sie doch in den rechten Zugmonaten von Juni bis September nicht Platz genug, die Fremden zu beherbergen und die Nach­barhäuser müssen hier aushelfen. Demungeachtet findet hier die prompteste und beste Bedienung statt, und das will viel sagen, da es sich dabei um die Befriedigung von Magen und Körper handelt, die bekanntlich die größten Despoten unter allen sind.

Wenn man an eine Frankfurter Gasttafel tritt, so möchte man glauben, es sei hier nicht für gewöhnliche Menschen Sorge getragen, sondern für eine eigene Vielfressernation: das Rindfleisch reiht sich an die Suppe, die Beilage an das Rindfleisch, das Ragout in allen Arten an die Beilage, die Puddings an das Ragout, die Fische an die Puddings, die Braten an die Fische und so fort bis zu den chevaux legers (leichten Pferden), dem Dessert.

Eine ganze Armee marschiert hier auf oder wird vielmehr auf den Tisch geworfen;  denn in einer Stunde, von ein bis zwei Uhr, muß alles abgetan sein. Es ist eine Höllenarbeit, sich hier durch alles durchzufressen, und man ist nach verrichteter  Mahlzeit so müde, als habe man einen Augiasstall vollgemistet. Deshalb haben denn  auch die Ärzte in Frankfurt vollauf zu tun, und die Köche werden hier besser hononiert als  die Schriftsteller.

Eduard Beurmann, „Frankfurter Bilder“ 1835

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