Was man über Muskat wissen sollte

Muskat-Nüsse gibt es wohl in jedem Haus, in dem gern und engagiert gekocht wird.  Frisch gerieben gibt die Nuss vielen Gerichten den letzten Kick – von Kartoffelstampf bis zur Frikadelle. In Spinat, Kohl oder Möhren und auch in Gebäck macht sich etwas Muskat gut.  Als besonders fein im Geschmack gilt der Samenmantel, der „Macis“ – oft auch „Muskatblüte“ genannt.

Hauptproduzenten sind Indonesien und die Karibik-Insel Grenada, auf der wir unseren letzten Urlaub genossen haben.Und natürlich haben wir uns bei der Gelegenheit intensiver mit der Muskatnuss-Produktion beschäftigt, haben uns in einer Plantage umgesehen und eine Nutmeg Factory besucht.

 

Die Nüsse wachsen an stattlichen Bäumen, die 5 bis 10 Meter hoch werden. Die Früchte sehen ähnlich aus wie Pfirsiche. Sobald sie reif sind platzen sie auf und der Kern mit der dem roten Samenmantel ist zu sehen. Nach einige Zeit fallen sie auf den Boden, werden von den Bauern eingesammelt und zu einer der  „Nutmeg Factories“ gebracht.

 

In der Factory wird der Macis entfernt und die Nüsse werden getrocknet und nach Größe und Qualität sortiert  (bei unserer Besichtigung der Factory in Grenville ruhte leider der Betrieb. In der Factory in Goyave konnten wir uns zwar alles genau ansehen, allerdings gibt es dort ein striktes Fotografierverbot).

      

Die Jahresproduktion weltweit liegt bei gut 10.000 Tonnen, etwa 20 % davon stammen aus Grenada.

Geschichtliches

Ursprünglich kommt die Muskatnuss aus Ostasien von den Banda-Inseln und den Molukken. Im Vorderen Orient waren sie wohl schon seit der Antike bekannt, nach Europa kamen sie mit den Kreuzrittern.  Zu einem „populären“ europäischen Gewürz bzw. Arzeneimittel wurden die Nüsse aber erst im 16. Jahrhundert, nachdem portugiesische Seefahrer  eine Handelsroute zu den ostasiatischen Gewürzinseln eröffnet hatten. Die „Banda-Nüsse“  galten fortan als das „Gold Ostindiens“, um das Kriege geführt wurden.  1621 rissen sich die Niederlande auf ziemlich brutale Weise die Banda-Inseln unter den Nagel und sicherten sich damit für die nächsten 150 Jahre das Handelsmonopol für  Muskatnüsse.

Auf einer kleinen Insel im Banda-Archipel, der Insel Run, hatten die Engländer zunächst noch einen Militärstützpunkt, den sie allerdings im „Frieden von Breda“ 1667 gegen die niederländische Kolonie „Nieuw Nederland“ (heute: Manhattan und Umgebung) eintauschten.  Aus holländischer Sicht war das damals ein gutes Geschäft, denn die Muskatnuss-Preise bewegten sich in schwindelerregenden Höhen.

Die enormen Gewinnspannen im Muskatnuss-Handel riefen allerdings die Konkurrenz auf den Plan: 1753 gelang es einem Franzosen,  einige Pflanzen nach Mauritius zu schmuggeln, wo fortan ebenfalls Muskatnüsse produziert wurden. Wenig später  okkupierten die Engländer die Molukken, holten sich Setzlinge und brachten die Pflanzen nach Singapur, Sri Lanka und auf die Antillen – vor allem Grenada, wo der Anbau bis heute ein wichtiger Wirtschaftszweig ist.

Inhaltsstoffe und Wirkung

In der Muskatnuss tummeln sich Dutzende von Wirkstoffen, darunter auch „delirante Halluzinogene“, v.a. Myristicin.  Die in der Küche üblichen Dosierungen haben allerdings keine „geistbewegende“ Wirkung, dafür sind wesentlich höhere Mengen erforderlich,  die freiwillig  wohl niemand zu sich nimmt. In der Hippie-Szene wurde in den 60er und 70er Jahren auf der Suche nach preiswerten und leicht beschaffbaren Drogen auch mit Muskatnüssen herumexperimentiert, die Ergebnisse waren aber offenbar nicht sonderlich „berauschend“.

Höhere Dosierungen über längere Zeit führten in Tierversuchen zu Lebertumoren. Aber – wie gesagt – die küchenüblichen Mengen sind höchstwahrscheinlich harmlos.  Eine reale Gefahr besteht hingegen durch Schimmel in minderwertigen Nüssen, wegen der krebserregenden Aflatoxine. In Grenada (und vermutlich auch in Indonesien)  dürfen daher angegammelte Nüsse nicht in den Verkehr gebracht werden. Gelegentlich soll es aber vorkommen, dass sie gemahlen als Pulver verkauft werden.   Es spricht also alles dafür, nur Muskatnüsse „am Stück“ zu kaufen und selbst zu reiben.  Das macht zwar mehr Arbeit, schmeckt und duftet aber viel viel besser!

Fotos: Bernd Kliebhan / Nina Thomas

https://de.wikipedia.org/wiki/Muskatnussbaum

 

 

 

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